Chefsache – Klimawandel findet statt, wenn der eigene Keller vollgelaufen ist

In diesen Tagen sind wieder krasse Bilder in den Medien: Irgendwo in Deutschland, zum Beispiel im oberbayerischen Polling, ist mal wieder aus einem idyllischen Bächlein in einem beschaulichen kleinen Ort in kürzester Zeit ein reißender Fluss geworden, der Wassermassen, Schutt, Geröll vor sich hertreibt und dabei auch alles mit sich reißt, was nicht standhalten kann. Und das ist eine Menge: Autos, Bäume, Brücken, ganze Häuser. Zurück bleibt eine Schneise der Verwüstung. Bilder von Überschwemmungen gab es auch schon früher, eigentlich schon immer. Wir denken dabei nur an das berühmte “Oder-Jahrhundert-Hochwasser“, das mit den Auftritten der Politiker gar den damaligen Bundestagswahlkampf beeinflusste oder an den Rhein, der regelmäßig bedrohlich Hochwasser führte. Übrigens nur am Rande: Selbst beim Ring der Nibelungen von Richard Wagner geht zum Schluss der Rhein über die Ufer, damit die Rheintöchter den goldenen Ring zurückholen können (und beim Versuch, die Nixen daran zu hindern, ertrinkt Hagen in den Fluten – ja, so ist das sogar in der berühmten Oper!).

Der verheerende Ablauf der Katastrophe ist derzeit fast immer gleich. Erst regnet es tagelang ausgiebig. Das Erdreich, die versiegelten Flächen und die Kanalisationen wie die Flüsse können das Wasser lokal nicht mehr aufnehmen, vor allem nicht mehr speichern und nach und nach wieder abgeben. Die Wassermassen werden einfach weitergeleitet, die Katastrophe wird quasi in den nächsten Ort durchgereicht. Irgendwo staut es sich unweigerlich und dann ist irgendein Dorf oder irgendeine eine Stadt gezwungenermaßen “dran”. Da ist man als Bewohner am Ende der Tragödie, wie es so schön heißt, zur falschen Zeit am falschen Ort. Die Menschen und Tiere können (hoffentlich) weglaufen, aber die Immobilie ist halt unverrückbar. Und dann läuft der Keller voll Wasser mit Schlamm und das Geröll treibt bedrohlich in den wirbelnden Wassermassen vor dem Haus. Das Unheil nimmt unaufhaltsam seinen Lauf.

Den allgemeinen Klimawandel als Szenario hatten sich weite Teile der Bevölkerung zwar vorgestellt, aber gewiss anders. So auch ich. Die eisigen Pole der Erde schmelzen, die Meeresspiegel steigen an und irgendwann bekommen die Küsten als erste ein Problem. Den Prognosen nach ist dann Hamburg unter den Wassermassen verschwunden, Sylt verloren und in der Wüste wird die sich ausweitende Dürre durch ansteigende Hitze allgegenwärtig. Und heftiger stürmen soll es auch, jedenfalls erheblich mehr und viel stärker als sonst. Aber mal ehrlich: Irgendwie war das das doch so schön weit weg – weit weg von uns, unserer Zeit und unserem Raum, eben immer bei den anderen. Tornados in Amerika und Dürre in Afrika.

Und nun statt globaler Entwicklung das: lokale Unwetter, lokale Katastrophen, lokale Betroffenheit, lokale Einzelschicksale. An einem Ort ist alles in Schutt und Dreck, ein paar Kilometer weiter ist die Welt beim Nachbarn zwar ebenfalls total verregnet, aber eben irgendwie noch heile und weiter schadlos idyllisch. Möglich macht das die regionale austauscharme Wetterlage. Anhaltende Wärme, die Luft nimmt viel Wasser auf, lokale Gewitter bilden sich und dann geht’s lokal richtig los bei örtlicher Entladung.

Und jeden Tag bietet in den Medien ein anderer Ort ein Bild der schweren Verwüstung. Betroffen sind kleine Orte wie Polling, die man gar nicht kennt, da muss schon die Landkarte helfen, um den zu finden. Leider hält sich dann auch die Solidarität spürbar in Grenzen. Zwar wird schon vom “Jahrtausend-Ereignis” gesprochen, Politiker kommen auch an den Ort des Schadens, aber konkrete Geldzusagen werden weinige bis gar keine gemacht. Wie auch. Morgen kann im nächsten Ort ja das Gleiche passieren, da ist Vorsicht geboten. Jeder zeigt auf jeden, sogar die Wetterfrösche in den Medien und die Medien selbst sind schuld, haben sie doch nicht ausreichend gewarnt. Folge: Bald wird im Radio der Wetterbericht (mit den lokalen Hinweisen) genauso lang sein wie der Verkehrsbericht nach den halbstündigen Nachrichten.

Für diejenigen, die vom Unwetter betroffen sind, ist es bisweilen doppelt und dreifach bitter. Erst haben sie den Schaden und sind geschockt. Schließlich ging meist alles rasend schnell, Vorbereitungen zur Schadenabwehr konnten nicht getroffen werden. Verharren gilt nicht, das Haus muss wieder bewohnbar gemacht werden für Familie, Kinder, Bewohner, also Ärmel hochkrempeln und ran, alles raus und entsorgen. Dann zusehen, dass alles so schnell wie möglich wieder bewohnbar wird und dabei langsam gewahr werden, welche hohen, welche immensen Kosten entstehen bis alles wieder hergerichtet ist. Die öffentliche Hand hält sich bedeckt.

Und langsam erst steigt die allgemeine Frage auf nach dem “Wie konnte es eigentlich passieren, dass unser Ort so heftig getroffen wurde?” Die Nachbetrachtung wird sich anschließen, die zukünftige Vorsorge ist ein langfristiger Prozess und kostet die öffentliche Hand große Summen Geldes. Jüngst sprach die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks gar von Ausgleichsflächen für bereits versiegelte Bereiche (http://versicherungswirtschaft-heute.de/schlagzeilen/deutschland-drohen-neue-unwetter/). Da kommt also noch eine spannende Diskussion auf uns zu unter dem Motto “Wenn das Fahrradfahren gegen den Klimawandel nicht mehr reicht!”. Wir dürfen gespannt sein.

Etwas besser ist es für den, der durch eigenen Versicherungsschutz vorgesorgt hat. Mit seinem Versicherungsschein kann er zwar die Wassermassen auch nicht aufhalten, aber dafür geht nach dem Schadenereignis zumindest finanziell etwas eher die Sonne wieder auf. Mit dem Baustein “Elementarschaden” im Bereich der Gebäude- und Hausratversicherung besteht bei Starkregen und Überschwemmung Versicherungsschutz. Es wird dann der beschädigte Hausrat ersetzt und das Gebäude wieder instandgesetzt inklusive Kosten für Trocknung und Leerstand bei Vermietung. Bei Wahl der Komponenten wird auch die zeitweise Unterbringung im Hotel bezahlt, das entlastet nicht zuletzt auch die sehr angespannten Nerven. Leider hat nicht jeder Hauseigentümer oder Mieter eine solche Versicherung gegen Elementarschäden. Manchmal scheitert es am Geld oder an der Einsicht, manchmal wird das Risiko einfach unterschätzt. Und manchmal bekommen die Kunden keine Deckung, weil es bereits Vorschäden gab oder die Lage des Objektes (z. B. in der unmittelbaren Nähe eines fließenden Gewässers, das bereits öfter über die Ufer getreten ist) eine Deckung nicht zulässt.

Das Thema des Versicherungsschutzes bei Elementarschäden wird uns in der Versicherungsbranche weiter anhaltend beschäftigen. Eine generelle Pflicht für Eigentümer, Mieter oder Bewohner, den Baustein Elementarschaden selbst zu versichern, gibt es nicht, das wäre ein Zwang, der wohl nicht durchsetzbar wäre. Die öffentliche Hand ist generell nicht einstandspflichtig – warum auch.

So wird es eine Abwägung und Aufgabe für jeden einzelnen sein, zu entscheiden, ob eine solche Deckung, also Versicherungsschutz, für das eigene Hab und Gut eingekauft wird. In unserer Beratung bieten wird dies jedem Kunden an und legen den Kunden ans Herz, den Versicherungsschutz mit einzurichten – egal ob auf dem Land oder in der Stadt, für sein Haus oder seine Einrichtung. Es kann schließlich jeden treffen. Wasser ist tückisch, egal ob von oben oder von unten wenn das Grundwasser ansteigt. Die Entscheidung liegt in letzter Konsequenz bei den Kunden selbst. Ich selbst berate dazu die Kunden gerne und höre geduldig zu. Aber bei einem Satz verdrehe ich innerlich die Augen, weil ich es nicht mehr hören kann: “So etwas ist bei uns noch nie passiert, das kann ich mir gar nicht vorstellen.” Ich konnte mir auch früher nie vorstellen, nach einem Ort namens Polling in Oberbayern auf der Landkarte zu suchen.

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