Buchtipp – Das Pferd als Begleiter seit Jahrtausenden in wechselnden Rollen

Bald sind überall in Deutschland Sommerferien, so auch in Nordrhein–Westfalen. Da ist Zeit, um sich zu erholen, egal ob zu Hause, irgendwo in Deutschland oder in fremden Ländern. Als Tierfreundin und Tierfreund vielleicht gemeinsam mit dem vierbeinigen Freund, dem Hund, der Katze oder dem Pferd. Dazu gibt’s heute einen Buchtipp für Pferdefreunde. Aber nichts mit Hanni und Nanni oder Fury oder Black Beauty oder irgendwelche reitenden Gentlemen a la Rosamunde Pilcher mit Schloss, Herz-Schmerz und großer Liebe. Heute habe ich etwas zum Thema “Jahrtausende lange Gemeinsamkeit und Trennung innerhalb eines Jahrhunderts”. Es geht um das Zusammenleben von Mensch und Pferd. Es geht um das Buch von Ulrich Raulff mit dem Titel “Das letzte Jahrhundert der Pferde. Geschichte einer Trennung”.

Darin beschreibt der Autor, wie und warum gerade die Pferde im Leben der Menschen eine so wichtige Rolle eingenommen haben. Pferde sind eigentlich Fluchttiere. Und dennoch haben es Menschen seit über 6.000 Jahren geschafft, sie an sich zu binden, sie in ihr Leben zu integrieren und sie für ihre Dienste nutzbar zu machen. Klar, da fällt uns die Landwirtschaft ein. Aber auch Kriege führten sie zusammen und ohne Pferde wäre mancher Eroberungsfeldzug anders gelaufen (oder hätte erst gar nicht stattgefunden). Und da ist das Thema Mobilität, das Reisen, aber auch die Kommunikation: Erst die von Pferden gezogenen Postkutschen und die reitenden Boten machten die schellen Nachrichtendienste und damit den beschleunigten Austausch von Informationen möglich. Pferde stehen also für das Thema “Geschwindigkeit” im Leben der Menschen – und für Energie, Antrieb und Logistik.

Titelbild-RaulffUnd dann kam die Eisenbahn und es wurden sogar noch mehr Pferde gebraucht. Denn die Züge waren zwar schneller, aber die Strecken kamen nicht bis vor die Haustür. Die letzten Meter vom Bahnhof zum Haus machten – wir ahnen es – die Lieferanten zu Pferde. Rasant stieg also die Zahl der Pferde an, im 19. Jahrhundert und vor dem Ersten Weltkrieg mit über 4 Millionen Pferden in Deutschland.

Doch dann wurde das das Pferd mehr und mehr ersetzt: durch Elektro-, Otto- oder Dieselmotoren, vor allem durch das Kraftfahrzeug. Es wurden sichere Antriebe und Autos in ausreichender Zahl und in kompakter Weise gebaut, die auch finanziell erschwinglich waren und so das Pferd ersetzten. Grasten im Jahre 1950 noch rund 1,5 Millionen Pferde in Deutschland, waren es 1970 nur noch 250.000.

Und dann begann nach 1970 die zweite Kariere der Pferde in Deutschland: als Begleiter in der Freizeit, bisweilen als Prestigeobjekt für Überkandidelte und durchaus auch als “Seelsorger der weiblichen Pubertät”, so Ulrich Raulff. Heute leben in Deutschland wieder mehr als 1 Million Pferde, ebenso viele Männer und Frauen sind offiziell im Pferdesport registriert (aber vor allem sind wesentlich mehr Frauen und Mädchen im Reitsport aktiv).

Und so ist die Geschichte von Mensch und Pferd wechselhaft, aber das Pferd ist immer bei uns geblieben. Ganz im Sinne von “Das Pferd muss bleiben”, wie es der Leitspruch der legendären Veranstaltung 1963 in der Dortmunder Westfalenhalle war!

Kurzum: das Buch lohnt, egal, ob man nun Pferdefreund ist oder (noch) nicht.

Ulrich Raulff – “Das letzte Jahrhundert der Pferde. Geschichte einer Trennung”, C.H. Beck, München, 2015, 29,95 Euro

Und hier findet sich eine kurze Vorstellung des Buches:
http://www.deutschlandradiokultur.de/ulrich-raulffs-das-letzte-jahrhundert-der-pferde-von.950.de.html?dram:article_id=334029

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