Abgeben im Notfall – weg und wohin? Teil 1: Pferde

“Risikofortfall” heißt im Versicherungsfachjargon dass ein versichertes Risiko vollständig und dauerhaft entfällt. Dann wird für das versicherte Risiko auch keine Versicherung mehr benötigt und die Versicherung kann außerhalb der geltenden Kündigungsfristen “außerordentlich” gekündigt werden. Hinter einem Risikofortfall bei Tierversicherungen steckt meistens aber eine sehr viel emotionalere Situation als dieser Fachausdruck begrifflich hergibt. Bei einem uns gemeldeten Risikofortfall stellte sich uns die Frage: “Was kann ich eigentlich machen, wenn ich mein Tier nicht mehr halten kann?”

Dass das Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde liegt, weiß wohl jedes Kind. Dass man trotz Pferd manchmal doppeltes und dreifaches Pech haben kann, ist (leider) nur logisch. Wir hatten vor nicht zu allzu langer Zeit eine Kundin, die sich ein Pferd gekauft hat, in dass sie sich auf den ersten Blick verliebte. Und in ihren ersten gemeinsamen Wochen bestätigte sich dieser Blick auch. Ihr Pferd war im Gelände lammfromm, bei der Bodenarbeit verspielt und neugierig wie ein junger Welpe und im Training präsentierte es mit stolzgeschwellter Brust seine besten Gänge. Eine Wundertüte von einem Pferd.

Dann überschlugen sich die Ereignisse. Nach anfänglichen Zickereien beim Satteln bis hin zur Unmöglichkeit das Pferd überhaupt noch zu reiten. Nach diversen heran zitierten Ärzten und Experten, diagnostizierte ein Physiotherapeut eine vererbte Knochenfehlstellung. Das Pferd war nicht mehr reitbar. Und auf eine Hiobsbotschaft folgt schnell die nächste. Unsere Kundin konnte, aus persönlichen Gründen, ihr Pferd nicht mehr halten. An den Händler zurückgeben, ging auch nicht mehr. Die Geschichte machte in unserem Büro schnell die Runde. Für das Pferd musste ein neuer Platz gefunden werden und das möglichst schnell.

Neue Plätze für Pferde

1. Gnadenhof und Gnadenweide

Ich denke, bei einer solchen Situation sind Gnadenhöfe sicher der erste Gedanke, der vielen kommt. Ein Gnadenhof ist eine Einrichtung, in der, meist alte und nicht mehr „leistungsfähige“ Tiere abgegeben werden, um dort ihr Gnadenbrot zu bekommen. Im Normalfall gibt man sein Tier und alle damit einhergehenden Rechte am Tier ab. Alle weiteren Kosten trägt der Gnadenhof. Manche Gnadenhöfe funktionieren auch wie eine Pension, in der man für „kleines Geld“ eine Box für sein Pferd mietet, quasi also Besitzer bleibt.

Die meisten Gnadenhöfe sind gemeinnützige Vereine. Sie leben von Spenden und ehrenamtlichen Mitarbeitern, die in ihrer Freizeit unentgeltlich helfen. Auch wenn sie zu eben diesem Zweck eingerichtet sind, belastet doch jedes Tier das ohne weitere Unterstützung abgegeben wird, die Vereinskasse. Nicht wenige Gnadenweiden und –höfe mussten wegen zu hoher Kosten wieder geschlossen werden. Wenn man also sein Pferd abgibt, sollte man zumindest darüber nachdenken, wie man den Verein anderweitig unterstützen kann, sei es durch eine Paten-/Mitgliedschaft, durch Sachspenden oder als freiwilliger Helfer.

2. Beistellpferde

Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Es finden sich immer wieder Pferdebesitzer die ein (meist nur noch bedingt oder nicht mehr reitbares) Pferd suchen, dass ihrem Pferd Gesellschaft leistet. Pferde sind ja bekanntermaßen Herdentiere und manche Pferde leiden mehr darunter alleine im Stall zu stehen als andere. Gesuche und Angebote für Beistellpferde findet man im Internet wie Sand am Meer. Von Vorteil ist hierbei, dass man sein Pferd an jemanden abgeben kann, der in der Region wohnt oder sogar am selben Stall ist. Aufpassen sollte man allerdings, dass die Pferde auch miteinander harmonieren. Eine gewisse „Probezeit“ sollte man also schon mit einkalkulieren und nicht sein Pferd Hals über Kopf verschenken.

3. Die “Pferdeklappe”

Der NDR berichtete vor kurzem von der ersten “Pferdeklappe” Deutschlands, die in der Nähe von Flensburg liegt. Im Gegensatz zum Gnadenhof sollen die Pferde, die hier abgegeben werden, wie im Tierheim weitervermittelt werden. Die meisten Pferde werden nach Absprache vorbei gebracht. Es gibt aber auch die Möglichkeit sein Pferd auf eine dafür vorgesehene Weide zu stellen. Neben der Wiese steht ein Briefkasten, in den Brief, Steckbrief oder Equidenpass des Pferdes gelegt werden können. In beiden Fällen bleibt man anonym. Aber auch diese Nothilfe ist auf Spenden und Unterstützung angewiesen. Weitere Infos gibt es unter: http://www.erste-pferdeklappe.de/

Happy End

Es gibt also recht viele Möglichkeiten in schwierigen Situationen und Notfällen trotzdem für das Wohl seines Pferdes zu sorgen, auch wenn man sich wünscht, dass es niemals zu einer solchen Situation kommt. Wenn man aber in der Not ist, sollte man gut abwägen, was für das Pferd die beste Alternative ist. Und man sollte sich erkenntlich für die Hilfe zeigen- es gibt viele Wege das zu tun.

Zu guter Letzt: Das Pferd unserer Kundin wohnt nun ein paar Ortschaften weiter und ist hauptberuflich und sehr erfolgreich Beistellpferd.

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2 thoughts on “Abgeben im Notfall – weg und wohin? Teil 1: Pferde

  1. Wer aber kann mir helfen wenn ich nach 30 Jahren meinen Hof aufgeben muss weil ich ihn nicht mehr halten kann? Ich habe 6 Pferde die bei mir geboren sind und um die ich mich immer liebevoll gekümmert habe. Das älteste ist mein 28jähriger Hengst, 2 Wallache die von Geburt an zusammen sind und 3 Stuten die auch von klein auf zusammen sind. Ich tue alles in meiner Macht stehende um ihnen zu helfen….aber die Kosten laufen weiter.
    Sie sind alle nicht mehr gesund sind und kosten Geld ohne das man sie noch nutzen kann. Deshalb kann und möchte ich sie nicht auseinanderreissen und in vermeintlich gute Hände abgeben….dafür habe ich schon zu viele schlimme Geschichten darüber gehört. Am liebsten wäre mir ein Hof wo ich gegen Mithilfe wohnen könnte und bei ihnen wäre. Ich hatte scchon einmal an Gut Aiderbichel gedacht weil sie dort zusaammenbleiben könnten und einen gesicherten Lebensabend verbringen könnten. Aber da werde sicher täglich Anfragen ähnlicher Art eingehen 🙁
    Das wird wohl ein Wunsch bleiben.

    1. Fragen Sie doch bei Gut Aiderbichl. Je früher, desto besser. Wenn Ihnen dort nicht direkt geholfen werden kann, dann vielleicht indirekt mit einem guten Rat? Das Netzwerk von Aiderbichl ist sicher riesig.
      Ich wünsche jedem, der vor solchen Entscheidungen steht von Herzen alles Gute.

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